Global View der Bank Sarasin: Zyklischer Aufschwung löst 2012 eine Rallye aus
09.01.2012Der aktuelle Research-Ausblick Global View der Bank Sarasin prognostiziert für 2012 eine Fortsetzung der ultraexpansiven Politik der globalen Zentralbanken. Diese sollte zu einer zyklischen Erholung in der ersten Jahreshälfte und einer Entspannung an den Finanzmärkten führen. Gegen Ende 2012 muss aber wieder mit Rückschlägen gerechnet werden, weil sich das Zickzackmuster der Konjunktur fortsetzt. Trotz expansiver Geldpolitik sollten die Zinsen am langen Ende in den Industriestaaten steigen. Sofern keine politischen Fehler gemacht werden, sollte die Risikoaversion an den Währungs-, Anleihen- und Aktienmärkten zurückgehen. Doch bis sich ein längerfristiger, struktureller Bullenmarkt entwickeln kann, wird es nach Meinung der Analysten der Bank Sarasin noch mehrere Jahre dauern. Entsprechend empfiehlt die Bank Sarasin Anlegern, sich auf kurzfristige Zyklen zu konzentrieren. Zu den Aktien-Favoriten für 2012 zählt die Bank Sarasin: Intertek (Warenprüfer), Kingfisher (Heimwerker-Kette), Mobimo, Pirelli, Roche, SAP, Swatch Group und Swiss Re.
Angesichts der Notwendigkeit eines weltweiten Schuldenabbaus steht die Weltwirtschaft Anfang 2012 weiterhin vor großen Herausforderungen. Der Schuldenabbau wird gelingen, wenn die Zinsen unter der Wachstumsrate gehalten werden. Das mangelnde Wachstum in den Industrieländern seitens Konsument und Staat muss durch Investitionen und Exporte in die Schwellenländer kompensiert werden. Die Nachfrage aus den Schwellenländern sollte 2012 mit einer expansiven Geldpolitik unterstützt werden. Da die globalen Frühindikatoren schon auf einen neuen Aufschwung hindeuten, dürfte das Wachstum in der ersten Jahreshälfte positiv überraschen.
Das größte Risiko ist, dass die Euroschuldenkrise durch politische Fehleinschätzungen zu einem Stolperstein für die Weltwirtschaft wird. Bei einer Kreditklemme im Euroland würden über die Vernetzung des globalen Finanzsystems auch die übrigen Regionen angesteckt. Die Bank Sarasin geht aber davon aus, dass ein solches "Worst-Case"-Szenario nur eine geringe Wahrscheinlichkeit hat. Hingegen rechnet sie damit, dass die verantwortlichen Politiker angesichts der Eskalation an den Euro-Anleihenmärkten schon im ersten Quartal 2012 weitreichende Maßnahmen zur Gesundung Eurolands einleiten werden. Dadurch wird der Wirtschaft Eurolands ermöglicht, ab dem zweiten Quartal 2012 wieder zu Wachstum zurückzufinden.
Dr. Jan Amrit Poser, Leiter Research und Chefökonom der Bank Sarasin Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin |
Anleihen: Hohe Risikoprämien bei niedrigen Zinsen
Die Geldpolitik in den Industrieländern wird auch im Jahr 2012 nochmals expansiver werden. Auch die Schwellenländer dürften zu einer stärkeren Lockerung der Geldpolitik bereit sein. Trotz der expansiven Geldpolitik erwartet die Bank Sarasin, dass die Zinsen am langen Ende in den Industriestaaten steigen. Aufgrund des graduellen Wirtschaftsaufschwungs und wegen allmählich steigenden Inflationserwartungen dürfte die Zinskurve in den Industriestaaten steiler werden. Bei einem Rückgang der Risikoaversion würden die AAA-Staatanleihen, die sogenannten "sicheren Häfen", besonders leiden. Profitieren können im Jahr 2012 die Anleihen der Schwellenländer, welche über solide Fundamentaldaten verfügen und von einer expansiveren Geldpolitik ihrer Zentralbanken unterstützt werden. Unternehmensanleihen weisen eine attraktive Bewertung auf, da die Kreditrisikoprämien weit über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Zusätzlich machen negative Netto-Neuemissionen von Banken und eine geringe Neuverschuldung von Industrieschuldnern Anleihen mit hoher Rendite zu einem knappen Gut. Nach einer Rekapitalisierungsrunde dürfte auch der Finanzsektor im Jahresverlauf wieder an Attraktivität gewinnen.
Währungsausblick: Hässlichkeitswettbewerb
Schwächere Fundamentaldaten in Euroland erfordern zu Beginn des Jahres 2012 dezidierte Massnahmen der Europäischen Zentralbank, die den Euro gegenüber dem Dollar schwächen werden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird die Euro-Untergrenze zwar verteidigen, aber im Jahr 2012 nicht weiter anheben. Weil sich gemäß der Erwartungen der Bank Sarasin das Konjunkturumfeld allmählich aufhellen wird, ist eine schrittweise Rückkehr des Schweizer Frankens zu seinem fairen Wert auch ohne Zutun der SNB wahrscheinlich. Wenn Euroland ab dem zweiten Quartal 2012 aus der Rezession findet, geraten die strukturellen Probleme der USA wieder in den Vordergrund. Die Nachfrage nach dem defensiven japanischen Yen dürfte sich abschwächen, während zyklische Währungen Rückenwind erhalten sollten.
Aktien: Kurzfristige Zyklen nutzen – Vom Potenzial in Schwellenländern profitieren
Über die nächsten fünf bis zehn Jahre dürften Aktien aufgrund des mageren Wachstums in den Industrieländern keine berauschenden Renditen abwerfen. Umso wichtiger ist es, die überdurchschnittlichen Renditephasen, welche primär durch eine positive Veränderung der Wachstumserwartungen bestimmt werden, zu erkennen und die Marktkorrekturen zu meiden.
Da die Aktienkurse 2011 trotz steigenden Gewinnen mehrheitlich gefallen sind, sind viele Aktienmärkte aktuell äußerst günstig bewertet. Die Bank Sarasin sieht die größte Unterbewertung in den Schwellenländern, welche für 2012 das größte Aufwärtspotenzial aufweisen. Eine positive Überraschung könnten aber auch Euroland-Aktien bieten, welche deutlich günstiger sind als US-Aktien und von den Anlegern zurzeit gemieden werden.
Die kürzeren Konjunkturzyklen zwingen Anleger zu einer flexibleren Sektorallokation. Neben langfristigen Anlagethemen wie Gesundheit, Energie und Technologie, welche Wachstum und Einkommen im Portfolio garantieren, sollten Anleger im Aufschwung 2012 auf zyklische Sektoren setzen, welche besonders vom Wachstum in den Schwellenländern profitieren.
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